Donnerstag, 16. Juni 2011

E-Learning: authentischer Lernprozess mit Kostenersparnis

Die Ausgangssituation: Die Vertriebsleiterin meines Unternehmens kommt auf mich zu und möchte über den Sinn der methodisch-didaktische Umstellung des Trainings sprechen. Sie ist nicht davon überzeugt, dass die Fokussierung auf E-Learning den gleichen Nutzen bringt, wie ein konventionelles Präsenztraining.

Ich würde ihr zunächst sagen, dass ich es sehr gut nachvollziehen kann warum Sie nicht davon überzeugt ist, dass e-Learning den gleichen Nutzen wie Präsenztrainings bringt. Ich hätte nämlich auch den gleichen Zweifel. Meiner Erfahrung nach kann eLearning aber nicht nur den gleichen Nutzen bringen, sondern zudem zusätzliche Benefits gegenüber Face To Face Maßnahmen liefern, und zwar quantitativ sowie qualitativ.

Quantitativ: wesentliche Kostenersparnis

E-Learning ist auf den ersten Blick interessant, weil es die Möglichkeit bietet, Mitarbeiter zu schulen, ohne dass sie den Arbeitsplatz verlassen müssen.

Das kann vor allem eine riesige Kostenersparnis bedeuten. E-Learning lässt sich gut bezahlen vor allem wenn man eine relativ große Anzahl von Mitarbeitern hat, die geschult werden müssen. Dadurch kann man wesentliche Reisekosten sowie Räumlichkeitskosten ersparen.

Bei E-Learning können sich die ursprünglichen Investitionen schnell rechtfertigen lassen. Viele Kosten sind einmalig, deshalb werden E-Learning Maßnahmen immer günstiger, und die Kosten werden schnell amortisiert.

Als long term investment bietet E-Learning einen Mehrwert gegenüber face to face Maßnahmen. Das heisst: E-Learning kann ein sehr effizientes Mittel sein, um Business Probleme zu lösen.

Qualitativ: Methoden sind tiefgehender

Aber wie sieht die Lernqualiität von E-Learning aus? Trotz den erhöhten Kosten sind Face to Face Maßnahmen doch effektiver und von daher eine sicherere Investitition?

Manchmal. Aber E-Learning bietet viele Vorteile an, besonders wenn man innovative Methoden zum Einsatz bringt, die Online Learning ermöglichen.

Online Learning ist zeitlich/räumlich viel flexibler als Face-To-Face Learning. Lernen kann stattfinden, wenn und wo es am besten passt. Eben weil es dirket am Arbeitsplatz stattfindet, kann man leicht Methoden einsetzen, die die eigentliche Arbeit als Lernobjekte integrieren.

Es ist oft so, dass Präsentationen die Schwerpunkte bei Face-To-Face Kursen sind. Dabei sind die Lerner überwiegend passiv während der Trainer das meiste sagt und tut. Außerdem sind diese Lernsituationen manchmal etwas künstlich, da die Lernenden eher etwas abstraktes lernen anstatt learning by doing zu praktizieren.

Bei Online Learning dagegen kann man ganz leicht modernere und effektivere Methoden praktizieren. Social Constructivism ist ein Ansatz, der die ‚neue Welle’ von E-Learning prägt. Dabei arbeiten die Lerner kollaborativ an realen Situationen und Problemen aus dem Arbeitsalltag. Das Lernen ist nicht mehr abstrakt, sondern entspringt aus der realen Arbeit. Dazu kann man ein internes Netzwerk aufbauen—eine Community of Practice—wo Mitarbeiter (Lerner) einander unterstützen und gegenseitig helfen können.

Bei Face to Face Veranstaltungen ist Lernen lediglich ein Event, eine Veranstaltung, wobei Online Learning eher ein Prozess ist. Selbst bei Face to Face Trainings, die viele real-world Aktivitäten enthalten, ist das Lernen meist vorbei, wenn die Veranstaltung vorbei ist. Wir kennen das klassische Syndrom. Mitarbeiter besuchen einen Kurs, sind begeistert, aber der Transfer ist sehr oft nicht ausreichend.

Bei Online Kursen kann das Ganze zu einem authentischen Lernprozess werden, eben weil das Lernen im Arbeitsfluss integriert wird und die vernetzten Lernenden dabei die Möglichkeit haben, sich kontinuierlich beim Lernen zu unterstützen.

Wenn der Online Ansatz im Unternehmen von den Mitarbeitern wirklich angenommen und internalisiert wird, kann das ein riesiger Gewinn für das Unternehmen sein. Dadurch gewinnt man Mitarbeiter, die zu selbstgesteuerten und kontinuierlichen Lerner werden, die viele Herausforderungen meistern können, weil sie die benötigten „Learning Skills and Learning Attitudes“ entwickelt haben.

Mein praktischer Vorschlag für die Vertriebsleiterin? Besuchen Sie selbst einen internen Online Kurs um am eigenen Leib zu erfahren, wie die Möglichkeiten von Online Learning aussehen und wie sie in Unternehmen optimal eingesetzt werden können.

Sonntag, 6. März 2011

Reduced Social Cues führt zu Gehirnsprache statt Körpersprache: Wer schreibt, der bleibt (oder wenigstens sein/ihr Beitrag!)

Unsere Gruppe, die eZLearners, hatten eine sehr produktive Zusammenarbeit im Forum, wo wir uns über unsere Erfahrungen mit Online Kommunikationstools ausgetauscht haben.

Es war eine sehr lebendige Diskussion, in der wir nicht nur über spezifische Tools diskutiert haben, sondern auch unsere Meinungen über die geschickte Verwendung solcher Tools im didaktischen Kontext eingebracht haben.

Ich finde, unsere Gruppe ist eine sehr motivierte Gruppe, die viel Enthusiasmus fürs Lernen und das Thema Mediendidaktik zeigt. Wegen der hohen Motivation lief die Diskussion ganz von allein.

Wir sind mit den reduced social cues sehr gut umgegangen. In gewisser Weise haben die reduced social cues uns sogar geholfen, die Diskussion so produktiv zu gestalten. Da wir uns erst mal face to face ein bisschen kennen gelernt haben, ist es schwer zu sagen, ob so eine Zusammenarbeit geklappt hätte, wenn wir uns vorher nicht getroffen hätten. Ich denke schon, aber die Frage muss einfach unbeantwortet bleiben.

Ich glaube die text-basierte Asynchronität dieser Aufgabe war für uns ein großer Vorteil, und das Forum war das perfekte Vehikel für die Aufgabe. Jeder konnte sich Zeit nehmen zu reflektieren, um die eigenen Beiträge zu formulieren, ohne sofort antworten zu müssen. Erst zum optimalen Zeitpunkt für das jeweilige Mitglied wurde die Meinung geäussert. Das hatte den Effekt, dass die ganze Diskussion etwas tiefgehender ausfiel, als eine reine face to face oder virtuelle synchrone Diskussion gewesen wäre. Es führte auch zu einer ausführlicheren Verarbeitung oder Auseinandersetzung. Wir hatten Zeit die Gedanken der anderen ezies zu lesen und darauf zu antworten (reviewability).

Durch die reduced social cues konnten wir uns mehr auf die Ideen und Reflexionen konzentrieren, als auf die sozialen Elemente. Statt Körpersprache ging es um Gehirnsprache, und das finde ich erfrischend. In so einer Diskussion kann man sich auf die Qualität der Ideen konzentrieren und ist nicht durch Status, Charisma, die Eigenschaften der Stimmen oä. beeinflusst. Ich finde, dass eine gewisse Egalisierung bei so einer Diskussion geschaffen wird. Die social identity kommt nicht vom social status, sondern aus dem Austausch von Ideen.

Natürlich gibt es auch Herausforderungen in so einer asynchronen Diskussion. Die Kohärenz ist manchmal schwierig aufrechtzuerhalten, und es besteht die Gefahr, dass einige Beiträge verloren gehen. Das liegt nicht nur an der Asynchronität, sondern auch an der großen Anzahl der Personen, die an so einer Diskussion beteiligt sind. In einer synchronen Diskussion mit so vielen Personen gehen individuelle Beiträge eigentlich eher unter. Im Forum bleiben die Beiträge stehen. Ich finde, wir haben diese Herausforderung super gemeistert, da wir verschiedene Threads der Diskussion lebendig gehalten haben. Das haben wir erst mal durch die Benutzung des @ Zeichens erreicht, um spezifische Beteiligte anzusprechen. Außerdem denke ich, sind wir auch eine sehr gewissenhafte Gruppe. Wir haben wirklich fast alle Bemerkungen wahrgenommen und darauf kommentiert. Mein Eindruck ist, alle waren gut aufgehoben und daraus ist eine gewisse asynchrone Solidarität entstanden.

Ich meine, je nach Aufgabe ist diese Art von Austausch für unsere Gruppe—und eventuell auch für viele Online Szenarien im Allgemeinen—oft produktiver als synchrone Meetings, die zwar protokolliert werden, aber bei denen viele Ideen einfach nicht in einer nützlichen Form gespeichert sind. Die Ideen in der Forum Diskussion haben eine gewisse Permanenz und können auch später gelesen und reflektiert werden. Das Dokument, das die Moderatorin Eva zusammengefasst hat, ist besonders nützlich und wertvoll. (Thank you Eva!) Natürlich eignen sich synchrone Meetings für Situationen, in denen schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen oder offene Fragen geklärt werden oä. Sich live zu treffen hat definitiv viele Vorteile. Ich meine nur, asynchrone Diskussionen haben auch große Vorzüge, die unsere Gruppe bei dieser Aufgabe so schön erlebt hat.

Third World Farmer: Spieler "erleben" selbst die bittere Realität und müssen ums Überleben kämpfen

3rd World Farmer: A Simulation to Make You Think www.3rdworldfarmer.com


Dieses Serious Game wurde von Studenten an der IT Universität in Kopenhagen entwickelt, um Leute für die düstere Lage und das schwere Schicksal der Farmer aus der dritten Welt zu sensibilisieren. Hier müssen Spieler versuchen, sich und ihre Familie als afrikanische Farmer durchzuschlagen.


Pädagogisches Ziel des Spieles ist, die spezifischen Herausforderungen eines third world farmer zu vermitteln. Durch das Spiel soll gelernt werden, welche Faktoren die Landwirtschaft in diesen Ländern zu solch einem bitteren Kampf des Überlebens machen.


Wie geht das Spiel?


Die Aufgabe des Spielers ist es, eine afrikanische Farm über einige Saisons zu managen. Man startet das Spiel mit $50 und muss sich entscheiden, welche Getreide man anbaut. Am Anfang kann man sich nur leisten, einfache Getreide wie Mais, Weizen, Baumwolle, oder Erdnüsse anzubauen. Man gibt seine Entscheidungen ein und kriegt dann das Ergebnis der Saison. Manchmal geht das gut, und man hat dann ein bisschen mehr Geld. Dann kann man auch Tiere, Werkzeuge, eine Scheune oder eine Quelle anschaffen. Wenn man über ein paar Saisons Erfolg damit hat, kann man auch in Infrastruktur investieren (Klinik, Schule, Telekommunikation). Man kann auch Farm Versicherung kaufen.


Das hört sich alles sehr gut an. Es ist aber gar nicht so einfach. Man wird im Laufe des Aufbauens mit sämtlichen Herausforderungen und Katastrophen konfrontiert. Nachdem man seine Strategie für die Saison eingibt, kann alles möglich auftauchen, was das Ergebnis beeinträchtigt: Da gibt’s zum Beispiel Diebstahl, mächtige Preisschwankungen, Missernte, Dürre, Tier Krankheiten, politische Korruption, Bürgerkrieg, Überfall von Revolutionären, uä.


Selbst die beste Planung ist keine Garantie auf Erfolg.


Ich habe mehrmals gespielt und immer gab’s Katastrophen, wo ich am Ende versagt habe. Es ist möglich, das Spiel zu gewinnen, aber es ist selten der Fall. Im Laufe des Spieles wurde ich frustriert und immer wieder enttäuscht, denn sobald ich ein bisschen Geld gespart hatte, war es mit der nächsten Katastrophe weg. Jede Saison war ein Kampf ums Überleben. Da gibt’s auch Versuchungen: Wenn man pleite ist, gibt’s verschiedene Optionen, Geld auf dubiose Weise zu verdienen: Man kann Opium anbauen oder Mitglied von einer paramilitärischen Gruppe von Radikalen werden. Man wird mit der Frage konfrontiert: eventuell nicht überleben oder solche fragwürdige Aktionen zu machen. Es ist leicht solche Aktivitäten als „schlecht“ zu beurteilen, aber man lernt dabei, wenn die Kinder drohen zu verhungern, wird man verzweifelt und solche Optionen scheinen ein Weg aus der Misere zu bieten.


Was ist der Lerneffekt?


Bei diesem Spiel gibt es eine gelungene Verknüpfung von Spiel und Inhalt. Das Lernen ist sehr gut im Spielfluss eingebettet. Man gibt Entscheidungen ein und bekommt unmittelbar ein Ergebnis. Man erfährt im Laufe des Spiels, dass die ausgeführten Handlungen oft von bitteren äußeren Umständen negativ beeinflusst sind und nichts mit den eigenen Entscheidungen zu tun haben.


Ich fand das Spiel als Serious Game sehr gelungen. Das Spiel ist eine einfache Simulation von einer nicht technischen, sondern sozialen Realität. Es hat eine starke emotionale Auswirkung. Beim Spielen erlebt man ein bisschen wie es ist, ein armer, einfacher Farmer in einem Entwicklungsland zu sein. Man lernt dies auf zwei Ebenen:


1. Die kognitive Ebene: Man lernt beim Spielen, was die spezifischen Faktoren sind, die das Farmen in so einem Land so schwierig machen: Dürre, Bürgerkrieg, etc.

2. Die emotionale Ebene: Es ist zwar nur ein Spiel, aber man erlebt ein bisschen davon, wie das sich anfühlen muss. Man entwickelt dabei ein Bewusstsein für die Misere von diesen Leuten und auch etwas Empathie für sie.


Als Simulation von sozialen Systemen lässt sich das Spiel auch sehr gut in Lernsituationen einbetten. Es wird bereits in vielen Schulen rund um den Globus verwendet. Es lässt sich wunderbar in didaktischen Kontexten verwenden und dient als Diskussionsanreger für kritische Themen wie globale Armut, Hunger, und politische Instabilität.


Nach dem Spiel sieht man eine „Take Action“ Taste, wo man Links zu verschiedenen Hilfsorganisationen bekommt und gleich spenden kann. Ich habe gelesen, etwa 56% der Spieler drücken auf diese Taste. Ich weiß nicht wie viele davon tatsächlich dann spenden, aber es ist immerhin ein Anfang. Als „awareness raiser“ ist das Spiel sehr effektiv. Ich habe auch gelesen, das Spiel wurde bereits von über einer Million Spieler gespielt.


Fazit


Ein sehr gelungenes Serious Game bzw. soziale Simulation mit kognitiven sowie emotionalen Auswirkungen. Highly recommended.

Sonntag, 20. Februar 2011

Von Meinungsführern zu Meinungsgemeinschaften: From the two step to the group dance

Die Theorie der „Two Step Flow“ der Medienkommunikation wurde im Jahr 1940 von Paul Lasarzfeld entwickelt. Nach seiner Auffassung sind die meisten Leute von so genannten Meinungsführern direkt beeinflusst und bilden ihre Meinungen über viele wichtige Dinge von dem Rat dieser Meinungsführer. Die Welt heute ist nicht mehr die lineare Welt, in der Lazarsfeld lebte, sondern viel komplexer und multidimensionaler. Neben klassischer Massenkommunikation gibt es mehrere Formen der medialen Kommunikation.

Meinungsgemeinschaften: Aktive Partizipation statt passiven Konsumieren

Für Lasarzfeld war dieser Kommunikationsfluss unidirektional und irgendwie hierarchisch—von Medien aus durch die Meinungsführer bis zu den „Opinion Followers“. Die ganze Informationskultur ist heutzutage viel mehr multidirektional und demokratisch. Menschen nicht nur passive Empfänger der Botschaften der Massenmedien. Das Internet und besonders die Web 2.0 Entwicklungen der letzten Jahren geben uns die Möglichkeit, viel aktiver an der Informationskultur teilzunehmen.

Heutzutage müssen wir alle nicht nur passive Konsumenten von Medien bleiben, sondern wir können aktive Prosumenten werden. Jeder kann zum Beispiel Blogs schreiben und Inhalte mit einander teilen. Es ist eine Ära der Partizipation. Es gibt heute laut Wikipedia über zwei hundert Million Blogs, und 54% von denen werden täglich aktualisiert. Im Sinne von Web 2.0 sind Leute nicht nur Readers sondern Readers/Writers.

In der Ära des Internets und Web 2.0 gibt es auch „Meinungscommunities“ und nicht nur Meinungsführer.

Durch Social Networking u.ä. wird eine Art Diskussion und Partizipation ermöglicht, die früher gar nicht möglich war. Ganz viele Menschen sind Teil der virtuellen Netzwerke. Innerhalb dieser Netzwerke gibt es zwar einige Opinion Leaders, aber ich glaube man bildet auch seine Meinung durch Gespräche mit Mitgliedern seines persönlichen Netzwerkes. Ich habe es an mir gemerkt, meine Meinung hat sich oft geändert nachdem ich mich mit anderen ausgetauscht habe—auch mit Leuten von denen ich im Grunde politisch entfernt bin. Das ist Meinungsbildung durch Gespräche anstatt durch passives Aufnehmen. Diese Gespräche finden mit Leuten außerhalb der lokalen (Arbeitsplatz, Nachbarschaft, usw.) Netzwerke statt. Das sind Gespräche unbegrenzt von Geographie oder Zeit—nicht nur face to face synchrone Diskussionen sondern auch asynchrone, geographisch verstreute Konversationen.

Diese Art von Kommunikation ist keine Rede von oben (der allwissenden Autorität der „Massenmedien“), sondern informelle Kommunikation unter Peers. Es handelt sich hier um eine Demokratisierung des Wissens.

Alte und neue virtuelle Meinungsführer


Die klassischen Massenmedien sind also nicht mehr unbedingt König. Es gibt im Long Tail viel mehr Kanäle von Informationsquellen.

Ich stimme aber Dr. Merten zu, dass es heute trotzdem viele virtuelle Meinungsführer gibt. In den USA sind zum Beispiel einige davon zu massiven Stars geworden.

Parallel zu dieser Entwicklung gibt es aber innerhalb der persönlichen Netzwerke auch eine neue Art von virtuellen Meinungsführern, die nicht nach Mertens Auffassung bekannte Persönlichkeiten sind. Die neuen virtuellen Meinungsführer können Leute sein, die man persönlich kennt. Sie können auch Freunde von Freunden sein. Die können Leute sein, die ein Blog schreiben. Oder sie sind nach Andy Warhols „Everyone will be a star“ Vorstellung berühmt und haben ihre 15 Minuten im Rampenlicht.

Es gibt auch communities of practice wo Leute in ihrem Fach Meinungsführer sind, die in anderen Bereichen eher Meinungsfollowers sind. Es ist heutzutage so, dass fast jeder zu einer Art Meinungsführer in seinem eigenen Bereich werden kann.

Komplexe Ära der Inklusion und Multidimensionalität

Es ist eine komplexe und multidimensionale Ära in der wir leben. Einige sind Mitglieder einer Meinungscommunity. Einige bilden autonom im Sinne von Merten ihre Meinungen, und gleichzeitig bilden andere ihre Meinungen beeinflusst von bekannten Medienpersönlichkeiten. Da gibt es auch die digitale Kluft, die zu dieser Multidimensionalität einen Beitrag leistet.

Zu Komplexität gehören auch Paradoxe. Dies ist ein era of inclusion. Eine Realität schließt andere Realitäten nicht aus, sondern parallele Welten existieren nebeneinander. Der Philosoph Schopenhauer hat einst gesagt, „In gleicher Umgebung lebt doch jeder in einer anderen Welt.“ Das war wohl immer so, nur jetzt ist es offensichtlicher und wegen der Komplexität dieses Zeitalters vielleicht intensiver denn je.

Dienstag, 8. Februar 2011

Facebook Fan aber "Twitter-Quitter"

Ich bin schon seit ein paar Jahren bei Facebook und Twitter registriert. Ich bin enthusiastischer Facebook Nutzer aber inzwischen ein sogenannter „Twitter- Quitter.“

Die Frage lautet, wie gemeinschaftlich sind diese beiden social software tools. Kurze Antwort: Facebook sehr, Twitter weniger.


Der kanadische Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan hat bereits in den sechziger Jahren gesagt, „the world is becoming a global village.“ Facebook hat diese Aussage bestätigt und dazu beigetragen, diese neue Realität konkret umzusetzen. Wir leben heute teilweise in einer postgeographischen Welt. Ein Tool wie Facebook unterstützt das „small world“ Phänomen (six degrees of separation).


Natürlich ist die Gemeinschaft, die Facebook realisiert, anders als die face-to-face Gemeinschaft, die wir bisher kannten. Die digitale Gemeinschaft ersetzt die analoge Gemeinschaft nicht, sondern sie erweitert unsere Vorstellung von Gemeinschaft. Deshalb ist es schwer, die Welt von Facebook mit den Kriterien der analogen Gemeinschaft zu beurteilen. Facebook setzt die Strukturen von analoger Gemeinschaft nicht um, aber das soll nicht heißen, dass digitale Gemeinschaften nicht gemeinschaftlich sind. Facebook ist vielleicht nicht so intim wie eine analoge Gemeinschaft, dafür ist es aber eine Erweiterung. Clara Shih, Authorin des Bestsellers „The Facebook Era“ schreibt, Facebook sei für sogenannte „schwache Verbindungen“ am besten geeignet.


Persönliche Erfahrungen mit Facebook


Bei Facebook kann man auf verschiedene Weise kommunizieren: (öffentliche Posts an alle ‚friends’, private synchrone chats, private asynchrone messages). Man kann nicht nur textbasiert kommunizieren, sondern man kann auch mit Bildern, Videos, und Weblinks kommunizieren.


Für mich gibt es zwei generelle Kategorien von menschlichen Verbindungen bei Facebook: alte Freundschaften und Bekanntschaften wieder entdecken und pflegen und neue Bekanntschaften knüpfen.


Durch Facebook habe ich viele alte Verbindungen und Freundschaften wiederbelebt, die ich ohne so ein Social Networking Tool sehr wahrscheinlich nie gemacht hätte. Heute morgen habe ich zum Beispiel mit einem alten Kumpel gechattet, mit dem ich vor Jahren zusammen in einer Band gespielt habe. Gestern habe ich mit einem alten Uni Kommilitonen aus Amsterdam über Facebook kommuniziert, der gesagt hat, dass er demnächst beruflich in Berlin unterwegs ist. Wir planen uns dann wieder zu treffen. Mit anderen aus meiner Schul- und Uni Zeit habe ich mich bereits tatsächlich wieder getroffen. Manchmal merkt man, wie verschieden wir uns inzwischen entwickelt haben, aber es war trotzdem gut uns wieder gesehen zu haben.


Ich habe bei Facebook auch neue Verbindungen geschlossen. Neulich habe ich einen Schriftsteller und Redakteur vom Ode Magazine Jay Walljasper als Freund gewonnen, den ich schon lange bewundert habe. Jetzt kann ich ihn ansprechen auf eine Art, die früher nicht möglich war.


Ich habe Facebook Freunde, die ich aus allen Phasen meines Lebens kenne. Mit social Networking ist alles irgendwie wieder präsent, obwohl viel Zeit vergangen ist, und obwohl wir durch die Welt verstreut sind (Ich habe Facebook Freunde in Kanada, Brasilien, Venezuela, Japan, Deutschland, Frankreich, Norwegen, Österreich, Romänien, England, Polen, in den USA, Philippinen, Niederlanden und der Schweiz).


Trotz der physischen und zeitlichen Entfernung sind alle präsent, und das ist ein faszinierender Aspekt von Facebook. Erinnerungen und Erfahrungen kommen wieder hoch, eben weil man wieder in Verbindung mit Leuten ist, die man lange aus den Augen verloren hatte. Die sind wieder da, und das gibt ein Gefühl von Kontinuität in einem modernen, manchmal fragmentierten Leben. Die sind da, zusammen mit neuen Verbindungen in einer etwas chaotischen globalen Fusion. Spannend! Das ist eine völlige neue Art von Gemeinschaft, die früher in der eher „linearen Ära“ einfach nicht möglich war. Vorher blieben Erinnerungen Erinnerungen. Jetzt ist Zeit und Geographie weniger entscheidend oder deterministisch.


Kritik


Trotz meines Enthusiasmus, etwas Kritik: Wenn ich etwas poste, ist das für alle sichtbar. Manchmal würde ich es mir wünschen, dass ich meine Freunde in für mich relevante Gruppen einteilen könnte. Das heißt: manchmal möchte man etwas mitteilen, das nur für bestimmte Menschen sichtbar sein soll. Man kann zwar Gruppen bilden, aber diese sind normalerweise zweckorientiert und beziehen sich nicht auf eine Einteilung der Facebook Freunde. Facebook Gruppen Sie sind eher Netzwerke wo man ein gemeinsames Interesse teilt. Diese Funktion, Freunde in verschiedene Kreise einzuteilen, würde vielleicht ein bisschen „Ordnung“ in die wilde Mischung bringen. Trotzdem finde ich die Mischung spannend. Nicht perfekt wie jede andere Form von Gemeinschaft, aber definitiv erweiternd.


Natürlich hat Facebook seine Schattenseiten. Einige benutzen das Tool als Bühne zur Selbstverherrlichung, deren Ziel ist es, möglichst viele Freunde zu sammeln, um „wichtig“ zu erscheinen. Andere teilen wirklich oberflächliche Dinge mit, wo man sich fragt „muss ich das wirklich wissen?“ Dann aber teilen viele dagegen wirklich interessante, unterhaltsame, und relevante Sachen mit. Manche führen sogar tiefgehende Diskussionen über Gott und die Welt. All diese Dinge passieren auch in der realen Welt, in der analogen Gemeinschaft. Facebook macht uns alle nicht sofort „bessere Menschen“, aber meiner Meinung nach trägt es zu einer offeneren Welt bei, wo Leute aus verschiedenen Ecken der Welt zusammen kommen können, um sich miteinander auszutauschen. Dann gibt es natürlich der Fall Ägypten und die Rolle, die Facebook dort gespielt hat...


Twitter


Twitter ist eine ganz andere Geschichte. Bei Twitter kann man lediglich eine kurze Botschaft aussenden. Tweet tweet! Ich nenne Twitter daher ein „Broadcast Tool“. Für mich hat das weniger mit Gemeinschaft zu tun. Es ist nicht so ganzheitlich. Man kann nicht darauf reagieren oder direkt eine Diskussion anfangen. Es scheint mir, Twitter ist manchmal ein Tool, wo man eher Gedanken von Prominenten und nicht wirklich von Freunden verfolgt. Wenn Tweets mit Facebook integriert sind, dann gibt es einen sozialen Kontext. Aber meistens wirken sie „entseelt“. Die Tweets hängen einfach da in der digitalen Luft. Außerdem ist man auf 140 Zeichen limitiert, und diese Begrenzung macht die Botschaft auch irgendwie künstlich. Der Gedanke ist oft nicht komplett.


Manchmal ist ein Tweet ein Hinweis auf mehr: Ein Link zu einem Blogeintrag zum Beispiel oder auf eine andere Quelle, wo der Kontext kompletter ist. Darin liegt die Stärke von Twitter. Ansonsten ist es wie SuperNews! sagt: Tweets sind oft nur "shouts of self-affirmation into the darkness, hoping someone is listening."


Bei Facebook weiss man, sobald die „Likes“ und „Kommentare“ auf einem Post erscheinen, die Welt hört zu—oder zumindest die persönliche Gemeinschaft, die man gesammelt hat. Bei Facebook ist die Welt gleichzeitig kleiner und größer...ich bin dabei!

Dienstag, 1. Februar 2011

Auf der Suche nach einem progressiven Autorensystem


Das Autorensystem meiner Wahl heißt Myüdütü von dem kanadischen Unternehmen Udutu Online Learning Solutions (you do too“ im Englischen ausgesprochen).

Warum habe ich dieses Tool ausgewählt? Aus prinzipiell zwei Gründen:

Erstens: Genauso wie bei ezMaddin habe ich „speed dating“ mit vielen verschiedenen Tools gemacht und es hat wirklich lange gedauert, bis ich das richtige gefunden habe. Es gab immer einen Haken, oder es hat einfach nicht „gefunkt“. Entweder waren die nicht Mac kompatibel, oder sie schienen mir zu kompliziert für meine noch begrenzte technische Vertrautheit mit Autorensystemen. (Tom ist vom Mars, Autorensysteme von der Venus oder irgendwas in der Art). Ich wollte also ein rapid e-learning Tool finden, das auch von einem „Tech Dummy“ eingesetzt werden kann.

Zweitens: Ich wollte auch ein Tool finden, das nicht eins von diesen alten Standard Authoring Tools ist, mit denen klassische e-learning Einheiten bereits seit Jahren produziert worden sind. Denn ehrlich gesagt dachte ich, das gehört schon zu der Vergangenheit.

Siehe Kerres und Voss: „Standen in den 90er Jahren vor allem die Möglichkeiten multimedialer und interaktiver Medien im Vordergrund, so stehen z.Z. vor allem die kommunikativen und kooperativen Szenarien im Mittelpunkt des Interesses.“ (Methoden und Medien, 2008, Seite 10)

Ich wollte ein Tool finden, das diese kommunikativen und kooperativen Elemente gleich integriert.

Ich bin der Meinung, die kommunikativen und konstruktiven Elemente tragen viel mehr zu authentischen Lernprozessen bei, als die geschicktesten, multimedialen e-learning Einheiten. Ich weiss auch, dass Unternehmen viel Geld in klassischen e-learning Maßnahmen investiert haben. In den Neunzigern wurde gesagt „jetzt braucht man nur die Maschine, um gutes Lernen zu gestalten.“ In der ersten Generation des e-learnings wurde viel Geld verschwendet. Es schien, als ob das Lernen dabei offiziell effizienter gestaltet werden konnte, aber die Lerneffektivität war teilweise so miserabel, dass viele Unternehmen dann doch mehr Geld in andere Maßnahmen investieren mussten, um Mitarbeiter umzuschulen.

Die Ära ist vorbei, wo wir dachten eine Maschine kann den Mensch ersetzen. Nun geht es nicht unbedingt um eine Lehrperson, die alles weiß sondern mehr darum, daß die Lernenden einander bei dem Lernprozess auf verschiedene Art und Weise unterstützen.

Ich finde eine e-learning Einheit (etwa WBT) fängt an, effektiv zu werden, wenn sie in ein gut durchdachtes didaktisches Konzept eingebettet ist. Dazu gehört die Möglichkeit für die Lerner, ihr Wissen aus echten Erfahrungen selbst zu kreieren und miteinander auszutauschen.

Meiner Meinung nach ist auf dem „Lernbuffet“ zwar Platz für WBTs u.ä., aber der Platz ist begrenzt. Denn der „Hauptgang“ des Lernens besteht eher aus echten Erfahrungen, real world Situationen, Kommunikation, Zusammenarbeit und immer wieder Aufgabenstellungen in Bezug zur realen Welt.

Ein konkretes Beispiel aus meinem beruflichen Umfeld: ein Kollege von mir bei einem internationalen Unternehmen in den Niederlanden war dabei, einen Online Kurs für technische Operatoren zu konzipieren. Die „Subject Matter Experts“ wollten, dass ein teueres Simulationsystem gebaut wird, wo die Lernenden individuell die gewünschten Fertigkeiten üben konnten. Es wurde festgestellt, diese Simulation würde mehrere hundert tausend Euro kosten. Mein Kollege hat das abgelehnt und hat etwas viel arbeitsnäheres und kollaborativeres konzipiert. Anstatt vorm Rechner zu sitzen und durch eine Simulation zu gehen und Aufgaben zu vollenden, bekommen die Lernenden eine Checkliste und gehen zu zweit tatsächlich in den Kontrollraum und werden von einem echten Operator gecoached. Sie beobachten die tatsächliche Arbeit und können im Sinne von „Cognitive Apprenticeship“ einige Aufgaben ausprobieren. Danach reflektieren die Partner über das was sie gelernt haben. Anschließend berichten sie den Mitlernenden in einem Forum und auch live in einem virtuellen Klassenzimmer über ihre Erfahrungen. Sie werden genauso wie vorher getestet. Das Ergebnis ist sehr gut und mein Kollege hat dem Unternehmen viel Geld gespart. Der Kurs ist bisher noch im Online Format, nur einige Aufgaben finden kollaborativ am echten Arbeitsplatz statt und nicht isoliert vor dem Computer. Der Online Teil besteht aus Austauschen und Reflexion mit den Mitlernenden.

All diese Gedanken strömten durch meinen Kopf, als ich mich auf die Suche nach einem passenden Authorensystem gemacht habe. Ich wollte wenigstens ein Tool finden, das die kollaborativen und kommunikativen Elemente des Lernens integriert.

Im Laufe des endlosen Google Searches bin ich irgendwann über das Blog von Janet Clarey gestolpert, ehemalige Forscherin bei Brandon Hall Research. Sie hat das Tool udutu gelobt. Dieses Tool ist ein sogenanntes „new generation“ e-learning Authorensystem. Das System hat die klassischen Elementen (Animation, Tests, Video, usw.), und lässt sich auch mit moodle u.ä. leicht integrieren. Es ist kein „perfektes Tool“ aber einige Elemente haben mich beeindruckt. Sie schlagen vor, die e-learning Einheiten möglichst kurz zu konzipieren und sie in kollaborative Lernszenarien einzubetten. Das Tool ist auch 100% Web basiert und fördert die kollaborative Arbeit an Kursen der Developer und SMEs.

Weitere interessante Aspekte dieses Tools:

Man kann die Kurse, die man kreiert, auf Facebook publizieren (udutu teach). Man kann auch Kurse bei Facebook belegen (udutu learn). Der Kurs als App und Facebook als LMS....ein innovativer Ansatz! Die Vision der Gründer ist es, Menschen zu befähigen, ganz spontan Kurse konzipieren zu können, die sie dann miteinander teilen. Mag sich utopisch anhören, aber wie ich finde eine sehr schöne Vision, sehr progressiv und zukunftsorientiert. In einer Welt wo Lernen überall und kontinuierlich stattfindet, passt es, dass Menschen zu permanenten Lernern und Lehrern werden. Wenn Lerner ihre eigenen Einheiten kreieren und miteinander teilen können, anstatt nur Einheiten von den offiziellen Lehrenden zu „konsumieren“, kann man einen echten konstruktivistischen Ansatz leicht umsetzen. Dabei findet eine Demokratisierung des Wissens statt.

Bei diesem Tool geht es weniger um die mutlimedialen Potenziale des e-Lernens, sondern eher um die Potenziale des social learning. E-learning Experten wie Jay Cross, Jane Hart, Harold Jarche, Janet Clarey, und andere betonen, die Zukunft des e-learnings geht in diese Richtung. Für mich ist das spannendste Potenzial des e-learnings weniger spezifische technische Funktionen eines Autorensystems, sondern wie Menschen beim Lernen einander unterstützen können.

Außerdem ist das Tool super leicht zu bedienen...obwohl ich als „Tech Dummy“ von einem echten „face to face“ Tutor profitieren würde.

Und als Schlusswort: Der Maler und Schriftsteller Francis Picabia hat einst gemeint: „Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“ Mit anderen Worten: I could be wrong about all of this, but that’s what I think at this moment.

Ach ja, fast vergessen: Hier mein bescheidener Versuch, eine Einheit zu konzipieren...

Sonntag, 9. Januar 2011

Mein erster Deutsch Lehrer: Eine ideale Lehrperson

"You’ve got to let them know you care or they won’t care what you know.“

Für mich ist die wichtigste Komponente einer Lehrperson Empathie und eine fürsorgliche Haltung zu den Lernenden. Eine perfekte Lehrperson interessiert sich für den Erfolg der Lerner und kann sich leicht in ihre Lage versetzen.

Die ideale Lehrperson setzt sich nicht in den Mittelpunkt und benutzt den Unterricht nicht als eine Bühne zur Selbstdarstellung. Deswegen neigt sie nicht dazu, lange Vorträge zu halten, um ihr Wissen zu zeigen. Sie konstruiert dagegen Situationen, wo die Lerner ihr eigenes Wissen selbst entdecken und kreieren können. Sie konzipiert Momente, die den Lernprozess der Lerner unterstützt. Eine perfekte Lehrperson weiß, es geht letzten Endes nicht um „Lehren“ sondern „Lernen.“ Statt ein Wissensvermittler ist eine ideale Lehrperson ein Lernförderer, der einen Prozess in Gange setzt und dann den Weg frei macht, damit die Lerner genug Spielraum haben, wirklich etwas Nachhaltiges zu lernen.

Ich liebe den Spruch im Englischen: „A teacher is not a sage on the stage but a guide on the side.“ Das Lehren ist keine Performance sondern eher ein fördernder Akt.

Ich finde eine perfekte Lehrperson hat auch Enthusiasmus und Leidenschaft für das Thema und auch für Lernen an sich, denn Leidenschaft ist höchstansteckend. Schon die Anwesenheit einer solchen Lehrperson motiviert und inspiriert die Lerner, ohne irgendwelche „Motivations-Tricks“ einzusetzen zu müssen.

Ganz wichtig sind auch Humor und ein Gefühl zu vermitteln, dass das Lernen Spaß machen kann.

Ich denke bei diesen Gedanken an meinem ersten Deutschlehrer, Dr. Clayton Gray. Er war Afro-Amerikaner aus South Carolina, der eine dünne „Cowboy Krawatte“ trug und fast immer am Scherzen war. Er war auch ein wahrhaftes Sprachgenie. Er hat akzentfrei Deutsch gesprochen und konnte insgesamt 13 verschiedene Sprachen! Wenn er Englisch gesprochen hat, konnte man wirklich schwer einschätzen aus welchem Land er kam, denn sein Akzent war irgendwie eine lustige Mischung aus allen Sprachen die er gesprochen hat.

Gleich am ersten Tag von „Beginning German“ hat er uns gesagt, „ich bin ein Spaßvogel und glaube, die Sache wird leichter, wenn wir spielerisch voran gehen.“

Obwohl er sehr charismatisch war, hat er sich selbst nie in den Mittelpunkt gestellt, sondern er hat wirklich alles gegeben, damit der Lernprozess für uns Spaß machte und vor allem erfolgreich war. Wir haben zum Beispiel Lieder gesungen, die er sich ausgedacht hat, damit wir sämtliche grammatikalische Themen und Regeln leichter lernen konnten, als es bei sturem Auswendig lernen der Fall gewesen wäre. Wir haben viel gelacht, viel gespielt, und einfach eine Menge gelernt. Man hatte das Gefühl dabei, die Studenten und ihr Wohlbefinden waren ihm sehr wichtig, fast als betrachte er sie als seine eigene Kinder.

Die anderen Fremdsprachenprofessoren dachten, er sei vielleicht verrückt, aber seine Ergebnisse sprachen für sich. Innerhalb eines Semesters hatten wir die wesentlichen grammatikalischen Schwerpunkte der deutschen Sprache gemeistert. Viel wichtiger als die Grammatik oder Klausurenergebnisse war für mich, dass er mein Interesse an Deutschlernen nachhaltig erweckt hat. Wegen ihm und seinem Engagement wollte ich unbedingt dann mit Deutsch weitermachen.

Ich glaube, die Übereinstimmung mit Dr. Dörings Kompetenzwanne hier ist gross. Was er Engagement nennt, halte ich für das Allerwichtigste. (Empathie und Fürsorge für die Lerner). Bei ihm stehen die menschlichen Kompetenzen (persönliche, soziale) höher als die technischen Kompetenzen (Organisation, Fachkenntnis, Methoden), was ich sehr gut finde. Seine Vorstellung, der Lerner als Kunde und die Lehrperson als Dienstleister und Coach, passt sehr gut zur Vorstellung der Lehrperson als „guide on the side not a sage on the stage“.